50 mal Reparier Café Kassel!

 

Das war schon ein aufregender Tag im Juni 2014, als wir zum ersten mal die Tore für Menschen mit kaputten Geräten geöffnet hatten. Das Angebot war verlockend: Reparieren statt wegwerfen, und das mit Kaffee und Kuchen! Die Organisatoren hatten alles auf eine Karte gesetzt: An diesem Tag sollten die Reparateure, das Café-Team und die Gäste gleichzeitig kommen. Alle waren zum ersten mal dabei. Heute greift man sich an den Kopf: Konnten die sich nicht erstmal darum kümmern, dass genügend Schrauber da sind, ehe sie Scharen von "Kunden" anlocken? Nun, es hat trotz dieser dilettantischen Planung funktioniert, obwohl wir heute davon ernsthaft abraten.

Also: Am 27. Juni 2014 ging es los. Gegen 15 Uhr liefen die ersten Helferinnen und Helfer ein, aber auch schon einige Gäste, die unbedingt die ersten sein wollten. Wir richteten die Arbeitsplätze ein, in der Küche kamen die Kuchenspenden an und unsere Damen ließen es sich nicht nehmen, sämtliche Tische festlich zu decken (was ein Fehler war!). Um 16 Uhr wurde es uns mulmig zu Mute. Unsere schlimmsten Befürchtungen wurden wahr. Nicht, dass niemand vor der Tür gestanden hätte - im Gegenteil. Die Warteschlange wuchs in krzer Zeit auf über 75 Personen an! Es ging drunter und drüber. Nach gut zwei Stunden hatten wir 21 Reparaturfälle abgearbeitet und immerhin acht Erfolge zu verbuchen. In der Pressemitteilung vom folgenden Tag schrieben wir: „Dank der zwölf freiwilligen Reparateure, die sich gemeldet haben, werden wir den Auftragsrückstau von gestern und die neuen ‚Patienten’ sicher noch besser abarbeiten...“ Um es kurz zu machen: Im Juli sah es dann genau so aus. Knapp 80 Gäste und eine enorm positive Resonanz:. "Toll, was ihr da macht, darauf haben wir lange gewartet".

Genau so ist es heute. Mit zwei wesentlichen Unterschieden: Unsere Damen von der Abteilung Kaffeeklatsch mussten von der Idee Abschied nehmen, alle Arbeitsplätze mit Tischdecken und Blumen zu verzieren, und heute haben wir knapp 30 Gäste pro Veranstaltung, die auch alle dran kommen und eine Erfolgsquote von über 60 Proezent. Der Rückstau ist inzwischen gut abgearbeitet, auch dank der Tatsache, dass es in Kassel und Umgebung heute acht Reparier Cafés gibt, bei deren Gründung wir als Geburtshelfer tätig waren.